Missverständnisse in der Kommunikation – oder warum du 4 Ohren hast

24.06.2015 / Premium, Probleme, Team(-building)Hinterlasse einen Kommentar

Kommunikationsquadrat - Schulz von Thun

Bist du auch schon einmal so richtig falsch verstanden worden? Du sagst etwas und plötzlich ist dein Gegenüber total genervt und wirft dir vor, dass diese Aussage von dir ja mal wieder typisch war…

Jeder kennt wohl diese Situation eines plötzlichen und für die eine Seite völlig unverständlichen Gefühlsausbruchs. In persönlichen Beziehungen zu Partnern, Kindern oder Freunden, aber auch im beruflichen Alltag treten solchen Kommunikationsprobleme leider sehr häufig auf.

Wie du diese Kommunikationsprobleme umgehen, oder wenn sie auftreten entschärfen kannst, zeigt dir das 4-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun.

 

Zwischenmenschliche Kommunikation: ein Meer voller Missverständnisse!?

Gute Kommunikation besteht aus dem reibungslosen Zusammenspiel zwischen Sender und Empfänger. Der Sender verpackt seine Botschaft in Worte (und nonverbale Signale, wie Gesten und Mimik) und schickt diese an den Empfänger. Der Empfänger muss diese Signale aufnehmen, verarbeiten und deuten, was der Sender damit übermitteln will.

Je nachdem, wie die Beziehung zwischen Sender und Empfänger ist, welche Vorerfahrungen gemacht wurden, aber auch in welcher Stimmung sich beide Seiten im Moment der Kommunikation befinden, kann ein Satz auf völlig unterschiedliche Weise aufgenommen werden und letztendlich auch zu schweren Missverständnissen führen.

 

Das 4-Ohren-Modell (oder Kommunikationsquadrat)

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat hierzu nun die These aufgestellt, dass jede Nachricht 4 Botschaftsebenen enthalten kann:

  • die Sachebene
    Worüber informiere ich? Zahlen, Daten, Fakten
  • die Beziehungsebene
    Wie stehe ich zu dir? Was halte ich von dir?
    Auf der Empfänger-Ebene kommen Fragen auf, wie “Wie fühle ich mich, wenn der andere so mit mir redet / mich so behandelt?”
  • die Selbstoffenbarungsebene
    Was gebe ich von mir zu erkennen?
  • die Apellebene
    Was will ich erreichen?

Kommunikationsquadrat

 

Beispiel der 4 Ebenen einer Nachricht:

Stell dir vor, du triffst eine Kollegin auf dem Gang und sie sagt: “Hast du die eMail gesehen, die ich dir geschickt habe?”. In diesem Satz können nun die unterschiedlichsten Botschaften enthalten sein:

  • “Ich habe dir eine eMail geschickt. Hast du sie bekommen?” (Sachebene)
  • “Warum hast du noch nicht geantwortet? Ist dir mein Anliegen nicht wichtig genug?” (Beziehungsebene)
  • “Ich brauche deine Hilfe!” (Selbstoffenbarungsebene)
  • “Bitte bearbeite die eMail!” (Appellebene)

Nehmen wir nun einmal an, dass deine Kollegin gerade versucht hat dir – über die Selbstoffenbarungsebene – mitzuteilen, dass sie deine Unterstützung braucht, um eine bestimmte Aufgaben zu erledigen.

Wenn du die Frage jetzt aber auf der Sachebene wahrnimmst und einfach antwortest: “Ja, ich habe deine eMail bekommen”, dann fühlt sich deine Kollegin eventuell von dir im Stich gelassen.

Wenn du die Nachricht nun aber auf der Beziehungsebene wahrnimmst (und eventuell in dem Moment auch schon genervt bist), dann könntest du dich auch angegriffen fühlen und antworten: “Du brauchst mir nicht zu sagen, wann ich was ich zu tun habe! Ich kann nicht alles stehen und liegen lassen, sobald du etwas brauchst!”. In diesem Fall wird deine Kollegin möglicherweise gar nicht verstehen können, warum du so verärgert bist. Denn eigentlich wollte sie dich ja nur um Hilfe bitten.

 

Auf welchem Ohr hörst du “am besten”?

Jeder Mensch hat – auch je nach Situation – ein bestimmtes Ohr auf dem er/sie besser hört.

Viele Menschen haben beispielsweise ein gut ausgeprägtes Sachohr. Bei wem dies zutrifft, dem fällt es meist schwerer Botschaften, die auf der Beziehungsebene liegen, zu entschlüsseln und “richtig” – d.h. im Sinne des Senders – darauf zu reagieren (siehe dazu auch das Beispiel oben).

Menschen, die hingegen eher auf dem Beziehungsohr hören, beziehen Nachrichten schnell auf sich, fühlen sich dann möglicherweise angegriffen und haben eher Schwierigkeiten mit der Dekodierung von Nachrichten mit neutralen Sachinformationen.

Menschen mit einem guten Selbstoffenbahrungsohr, versuchen sich oft in den Gegenüber hineinzuversetzen und fragen sich dann, was die Aussage über diese Person preisgibt.

Wer ein ausgeprägtes Apellohr hat, versucht häufig es allen Menschen in seiner Umgebung recht zu machen. Oft fällt es diesen Menschen schwer, eine Nachricht einfach nur aufzunehmen, ohne sich gleich zu etwas aufgefordert zu fühlen. Dies führt meist dann zu Problemen, wenn der Sender seine Nachricht beispielsweise auf der Sachebene übermitteln wollte (um sich Gehör einfach nur zu verschaffen, aber ohne eine direkte Reaktion hervorrufen zu wollen).

 

Eine Übung für bessere Kommunikation

Für eine gute Kommunikation ist es einerseits wichtig zu erkennen auf welcher Ebene die Nachricht versendet wurde, bzw. auf welche Ebene der Sender Wert gelegt hat. Andererseits solltest du wissen, welches dein präferiertes Ohr ist und ob du als Empfänger möglicherweise mit einem anderen Ohr hättest zuhören sollen.

Um sich diesen Sachverhalt besser bewusst zu machen, bietet sich folgende Übung an:

  • Nimm ein kurzes Gespräch mit einem Kollegen oder einer Freundin auf.
  • Höre dir dann diese Aufnahme an und weise jedem Satz die zugehörige Kommunikationsebene zu (Sach-, Beziehungs-, Selbstoffenbarungs- oder Apellebene).
  • “Übersetze” den Satz dann auf der Ebene, wie du ihn wahrgenommen hast.
    Beispiel: “Hast du meine eMail bekommen?” ordnest du der Apellebene zu und kam bei dir an als “Bitte beantworte meine eMail!”.
  • Lasse nun deinen Gesprächspartner die selbe Einordnung (und Übersetzung) vornehmen.
  • Vergleicht dann am Ende, wo es Überschneidungen aber vor allem auch wo es Unterschiede in der Interpretation von Aussagen gab. Interessant wird es meist auf den Ebenen “Beziehung” und “Selbstoffenbarung”.
Eine Vorlage für diese Übung findest du unter dem Artikel im kostenlosen Premiumbereich.

 

Ob du diese Übung wirklich mit einem Gegenüber durchführst, oder ob du das Kommunikationsquadrat “nur” zur Analyse ausgewählter Aussagen heranziehst: allein das Wissen über die 4 Ebenen einer Nachricht, kann dabei helfen Missverständnisse in der Kommunikation zu entschärfen und so größere (Beziehungs-)Probleme erst gar nicht aufkommen zu lassen.

 

Die Übung zum Kommunikationsquadrat:

Hol dir jetzt die Übung zum Kommunikationsquadrat und teste selbst, wie sehr sich Selbst- und Fremdwahrnehmung in einem Gespräch überschneiden bzw. unterscheiden können. Mit diesem Wissen kannst du dann in Zukunft Kommunikationsprobleme umgehen, oder wenn sie auftreten, entschärfen.


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