Warum wir produktiver werden müssen – und wie wir das schaffen können!

07.01.2020 / Agiles Projektmanagement, Allgemein, Change Management, Prioritäten, Probleme, Weiterbildung4 Kommentare

Genauso wie die Jahresrückblicke im Dezember, gehören die Prognosen zu Beginn eines neuen Jahres zu einem festen Ritual. Und obwohl “Prognosen schwierig [sind], besonders wenn sie die Zukunft betreffen”, stehen uns im Bereich der (Projekt-)Arbeit doch eindeutige Entwicklungen bevor, auf die wir uns vorbereiten sollten.

 

Das letzte Jahrzehnt war geprägt durch steigende Komplexität

Bevor wir jedoch den Blick nach vorne richten, sollten wir kurz auf das vergangene Jahrzehnt zurückschauen. Dabei wird deutlich, dass es durch eine enorme Zunahme an Komplexität geprägt war.

Denn Themen wie Digitalisierung und Globalisierung haben die Vernetzung der Welt weiter vorangetrieben. Neben den vielen Vorteilen, führt dieses “Kleinerwerden” bzw. das “enger zusammenrücken” der Welt aber auch dazu, dass u.a. die Menge der Stakeholder in den letzten Jahren in allen Bereichen unseres Lebens stark angestiegen ist. Und die Einbindung dieser Stakeholder – also derjenigen, die an etwas beteiligt, davon betroffen oder daran interessiert sind – stellt uns vor neue Herausforderungen.

 

Bisher erfolgreiche Handlungsmuster werden zunehmend selbst zum Teil des Problems

Die Zunahme an Komplexität – also die gesteigerte Anzahl der auf etwas einwirkenden Faktoren sowie das Ausmaß ihrer gegenseitigen Interdependenzen – führt immer häufiger zu schlecht strukturierbaren Entscheidungssituationen.

In solchen komplexen Situationen sind die jahrzehntelang gültigen und bisher auch so erfolgreichen Handlungsmuster zunehmend nicht mehr Teil der Lösung, sondern werden mehr und mehr selbst zum Teil des Problems.

Konnte man nämlich bisher – in komplizierten Situationen – die Lösung für ein Problem mit Expertenwissen noch vorab bestimmen, so stehen wir heute zunehmend vor der Herausforderung, dass uns diese Vorab-Identifikation der Problemlösung in komplexen Situationen nicht mehr gelingen kann.

 

Wir brauchen neue Handlungsmuster für die Problemlösung in komplexen Situationen

Komplexe Situationen zeichnen sich – anders als komplizierte Situationen – ja gerade dadurch aus, dass es keinen klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang mehr gibt. Und dadurch ist die Problemlösung auch durch die besten Experten nicht mehr im Vorfeld zu bestimmen. Denn in komplexen Situationen ist uns ja weder das, was erreicht werden soll wirklich klar, noch wissen wir, wie wir dieses Ziel überhaupt erreichen können.

Stacey-Matrix (die richtige Projektmanagement Methode finden)

Wir benötigen in komplexen Situationen also andere Handlungsmuster, um zum Erfolg gelangen zu können. Der in den letzten Jahrzehnten (gerade in Deutschland) so erfolgreiche Ansatz: „Zuerst eine Lösung entwickeln und diese dann möglichst ohne Fehler umzusetzen bzw. auszuführen“ ist nur in komplizierten Situationen zielführend.

In komplexen Situationen muss dieses Vorgehen ersetzt werden durch die Bereitschaft zu experimentieren. Anders als in komplizierten Situationen müssen dabei auch (möglichst kleine) Fehlschläge zwingend in Kauf genommen nehmen werden. Da wir ja den Weg zu unserem Ziel noch nicht kennen, müssen wir möglichst schnell aus unseren Experimenten lernen und Muster erkennen. Erst dann können wir unerwünschte Ergebnisse korrigieren sowie erwünschte Entwicklungen weiter verfolgen.

Dieses Vorgehen unterscheidet sich stark zu dem – uns über die letzten Jahrzehnte so gewohnten – Vorgehen in komplizierten Situationen. Aber in komplexen Situationen hat nur ein experimentierendes Vorgehen, das Lernen durch Feedback zulässt, Aussicht auf Erfolg!

Und obwohl uns die Zunahme an komplexen Situationen schon einige Jahre intensiv begleitet, stehen wir noch am Anfang uns an diese veränderte Realität anzupassen. Deshalb werden Unternehmen, Organisationen, Führungskräfte, aber auch jeder einzelne von uns noch eine ganze Weile brauchen, bis wir uns neue und situative Handlungsmuster angeeignet haben werden. Erst dann können wir die Herausforderungen, vor denen wir stehen, wieder effektiv lösen.

Welcher Lösungsansatz passt zu welcher Situation?
Für jede Situation – egal ob einfach, kompliziert, komplex oder chaotisch – bedarf es eigener Ansätze zur Problemlösung. Und diese wirken sich auch direkt auf das notwendige Führungsverhalten aus.

Nur wenn wir für die jeweils vorliegende Situation die richtige Strategie wählen, ist das Vorgehen erfolgsversprechend!

Du willst mehr über dieses Thema wissen? Dann ist das Cynefin-Modell in Kombination mit der Stacey-Matrix genau das Richtige für dich.

 

Im nächsten Jahrzehnt werden wir alle produktiver werden müssen

Obwohl uns das Erlernen dieser neuen Handlungsmuster noch eine ganze Weile beschäftigen wird, steht uns im kommenden Jahrzehnt bereits eine weitere tiefgreifende Veränderung bevor.

2020 wird nämlich das letzte Jahr sein, in dem die Menge an Arbeitskräften noch einmal wachsen wird. Ab 2021 wird die Anzahl an Arbeitskräften beginnen drastisch zu sinken. Hintergrund hierzu ist, dass die sogenannte Babyboomer-Generation in Rente geht. Zudem kommen nicht genügend junge Arbeitskräfte neu hinzu, um diese “Austritte” abfedern zu können.

Selbst in optimistischen Szenarien – in denen die Älteren länger berufstätig bleiben und mehr Frauen berufstätig werden – geht man davon aus, dass die Menge an verfügbaren Arbeitskräften zum Ende des Jahrzehnts um ca. 1,5 Millionen Menschen kleiner wird.

Diese Entwicklung wird uns vor enorme Herausforderungen stellen, denn schon jetzt können ja in vielen Bereichen nicht mehr alle offenen Stellen besetzen werden.

Dadurch, dass es also in Zukunft weniger Arbeitskräfte geben wird, müssen wir einerseits alle deutlich produktiver werden müssen.

Andererseits wird es – schon allein aufgrund von zunehmender Automatisierung – eine weitere Verschiebung von “einfachen Aufgaben” hin zu “komplizierten Aufgaben” oder sogar zu “komplexen Aufgaben” geben. So wird beispielsweise ein Fabrikarbeiter in Zukunft nicht mehr „nur“ die Maschinen mit Material befüllen. Vielmehr wie er die Roboter, die diese Arbeit erledigen, bedienen und ggf. auftretende Probleme beheben.

 

Die Zeit der Pseudo-Optimierung ist vorbei

Wie du siehst, werden sich im kommenden Jahrzehnt also zwei große Entwicklungen überlagern.

Zum einen stehen wir zunehmend vor komplexen Problemen, bei denen die alten Handlungsmuster, die in komplizierten Situationen zum Erfolg geführt haben, nicht mehr zum Ziel führen.

Zum anderen wird die Anzahl der Arbeitskräfte über die nächsten Jahre drastisch sinken. Das heißt, dass wir die Arbeit auf weniger Schultern verteilen müssen, und auch, dass diese Arbeit hochwertiger und damit auch komplexer werden muss (siehe dazu das Beispiel oben).

Das verstärkt dann wiederum die erste Entwicklung, dass wir mehr Menschen brauchen, die in der Lage sind, je nach Situation, die richtigen Problemlösungsansätze auszuwählen und anzuwenden.

Natürlich gibt es verschiedene Faktoren, mit denen die Auswirkungen dieser Entwicklungen abgemildert werden können. So können wir beispielsweise später in Rente gehen, die Beschäftigungsquote der Frauen kann weiter gesteigert werden und über Zuwanderung können dem System weitere Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden. Zudem können wir viele Tätigkeiten automatisieren und in Aus- bzw. Weiterbildung investieren.

Um aber im kommenden Jahrzehnt erfolgreich bleiben zu können, muss sich jeder von uns folgenden Herausforderungen stellen:

  1. MEHR FOKUS AUF ANALYTISCHE KOMPETENZEN:
    Wir müssen verstehen, dass in verschiedenen Situationen nur die jeweils passenden Handlungsmuster erfolgversprechend sind. Darauf aufbauend müssen wir lernen diese Handlungsmuster situativ richtig einzusetzen.
  2. MEHR FOKUS AUF ECHTE WERTSCHÖPFUNG:
    Zudem müssen wir die Zeit der Pseudo-Optimierung hinter uns lassen. Denn leider gilt noch immer vielerorts Multitasking als erstrebenswert und wer länger arbeitet gilt als produktiver. In Wirklichkeit ist aber oft genau das Gegenteil der Fall: die Reduktion der parallelen Arbeiten und Fokussierung auf die wirklich wichtigen Dinge steigern die Wertschöpfung um ein vielfaches! (hier geht’s zum beeindruckenden Selbstversuch)
  3. MEHR FOKUS AUF SCHNELLES FEEDBACK UND KONTINUIERLICHE VERBESSERUNG:
    Zudem müssen wir uns in Zukunft viel häufiger selbst hinterfragen. Und dann müssen wir aus diesen Erkenntnissen auch noch lernen. Denn nur so können wir jeden Tag ein bißchen “besser” werden … und das nicht nur bei der Arbeit, sondern in allen Bereichen unseres Lebens. Denn nur so werden wir auch langfristig erfolgreich sein können.

Auch wenn das nächste Jahrzehnt also von massiven Veränderungen geprägt sein wird, freue ich mich sehr darauf. Denn wenn wir uns frühzeitig darauf einstellen und uns die benötigten Kompetenzen aneignen, dann können wir diese Veränderungen selbst mitgestalten!

Oder wie Aristoteles sagte:

Das Geheimnis der Veränderung ist, nicht alle Energie auf die Bekämpfung des Alten zu legen, sondern auf den Aufbau des Neuen.
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Und deshalb werde ich auch im neuen Jahr weiterhin mit vielen Tipps und Tricks bereitstehen, um dich auf diesem Weg zu unterstützen!


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4 Kommentare zu “Warum wir produktiver werden müssen – und wie wir das schaffen können!”

  1. Regine Koch-Bah

    Lieber Fabian,

    auf diesem Wege ein herzlicher Gruß an Dich.

    Nicht viele Artikel lese ich von Dir, dieser hier ist aber wirklich klasse. Vielleicht finde ich den so toll, weil Frauen im beschriebenen Szenario gute Chancen auf Beteiligung und Entwicklung haben könnten, was mich für meine Töchter sehr freut!. Besten Dank also auch für diese positive Zukunftsvision!

    Regine (ehemals Fairventures gGmbH)

    1. Fabian Walter

      Hallo Regine,
      vielen Dank für deinen Kommentar!

      Ja, in vielen Fällen sind Frauen hier kompetenter als Männer und ich hoffe, dass sich dies (endlich) auch auf die von ihnen eingenommenen Positionen auswirken wird!

      Denn das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern zudem auch einfach eine Notwendigkeit für zukünftigen Erfolg!

      Viele Grüße und alles Gute!
      Fabian

  2. Katharina

    Das ist ein wirklich toller Beitrag! Danke dir mal wieder! Ich stimme vollkommen zu und werde den Beitrag bei Gelegenheit gerne teilen!!

    Zum Thema Frauen in Erwerbstätigkeit: ein erstrebenswertes Ziel. Ich bin davon überzeugt, dass es Hand in Hand gehen wird mit der Entwicklung echter Produktivität.. Kurz und produktiv lässt sich nämlich auch besser mit der Familie vereinbaren 😏

    1. Fabian Walter

      Hallo Katharina,

      vielen Dank für das Lob und den Kommentar!

      Ja, mehr Frauen in Erwerbstätigkeit ist ein erstrebenswertes Ziel. Und nicht nur mehr Frauen in Erwerbsarbeit, sondern mehr Frauen in Entscheidungspositionen.

      Und letztlich sind besser „gemischte“ Teams (auf allen Ebenen) eine Notwendigkeit für künftigen Erfolg.

      Und ja: kurz und produktiv könnte das „next big thing“ werden. Denn im Bereich der Wissensarbeit ist das Festhalten an den klassischen 8 Stunden dringend zu überdenken.

      Aber zum Glück gibt es hierzu immer mehr Studien und Experimente von ersten Unternehmen.

      Viele Grüße und erfolgreiche Projekte!
      Fabian

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