6 Kriterien für einen guten Indikator

25.11.2015 / Prioritäten, ZieleHinterlasse einen Kommentar

Letzte Woche haben wir uns bereits angesehen, was Indikatoren genau sind und wie sie uns dabei helfen unsere Projekte erfolgreicher umzusetzen. (Hier geht es zum Artikel von letzter Woche)

Der heutige Artikel schließt sich daran an, denn wir klären was einen guten und aussagekräftigen Indikator ausmacht!

Denn Indikator ist nicht gleich Indikator! Bei der Suche nach guten Indikatoren solltest du auf jeden Fall darauf achten, dass sie die folgenden sechs Qualitätskriterien erfüllen:

 

1) RELEVANZ

Das (regelmäßige) Messen von Indikatorenwerten kann schnell sehr aufwendig und teuer werden und das obwohl wir häufig mit einem Indikator nur einen Teil unseres Ziels messen können. Deshalb sollte im Vorfeld genau geprüft werden, ob dein Indikator auch wirklich einen wichtigen Bereich deines Ziels misst. Kannst du also mit dem Indikator wirklich erkennen, ob du dein Ziel erreichst?

Auch wenn sich dieses erste Qualitätskriterium recht banal anhört, ist es doch immer wieder erstaunlich, wie oft Indikatoren gemessen werden, die eigentlich nicht wirklich etwas über die Zielerreichung aussagen.

Beispiel:
Nehmen wir als Beispiel das Ziel „Verbreitung besserer Anbaumethoden“. Hier könnte ein relevanter Indikator wie folgt aussehen: „Anzahl der trainierten Bauern, welche die verbesserten Anbaumethoden erfolgreich anwenden.

 

2) SENSITIVITÄT

Da wir mit Indikatoren nicht nur die Zielerreichung messen wollen, sondern auch erkennen wollen, ob unser Projekt noch auf dem richtigen Weg ist, müssen sie neben der Relavanz auch noch genügend ‚sensitiv‘ sein.

Sensitivität bedeutet hier, dass unsere Indikatoren geeignet sind, die von uns erwarteten Veränderungen frühzeitig zu messen, so dass wir die Ergebnisse für geeignete Steuerungsmaßnahmen nutzen können.

Beispiel:
Wenn die Trainings zu verbesserten Anbaumetoden beispielsweise in mehreren Trainings-Zyklen durchgeführt werden, dann sollten die Indikatore zum Trainingserfolg (des ersten Trainings) so frühzeitig erhoben werden können, dass die Ergebnisse für eine mögliche Verbesserung der weiteren Trainings genutzt werden können.

Denn der Indikator bringt nicht viel, wenn wir nachdem wir alle Trainings durchgefürt haben erkennen, dass die Teilnehmer bestimmte Teile des Inhalts nicht verstanden haben.

 

3) ZUVERLÄSSIGKEIT

Das dritte Qualitätsmerkmal für einen Indikator ist dessen „Zuverlässigkeit“. Indikatoren müssen so klar und verständlich formuliert sein, dass die Messergebnisse nicht von den Personen abhängen, welche die Daten erheben. Denn wenn wir – beispielsweise in einem größeren Projekt – für die Indikatorenmessung nicht nur eine, sondern gleich mehrere Personen benötigen, dürfen die Ergebnisse nicht von deren persönlicher Interpretation abhängen.

Ein guter Indikator sollte also so spezifisch und präzise wie möglich formuliert werden, so dass zwei Personen, die den gleichen Sachverhalt untersuchen auch zum gleichen Ergebniss kommen.

Beispiel:
Ein unpräzise formulierter Indikator („Nachhaltigkeit des Projektes“) könnte wie folgt verbessert werden werden: „Prozentsatz der Bauern, welche die verbesserten Anbaumethoden auch in der Anbausaison nach Projektende nutzen“. Bei einem so formulierten Indikator ist es viel wahrscheinlicher, dass zwei verschiedene Personen zu dem gleichen Ergebnis kommen.

 

4) ZUMUTBARKEIT

Wie bereits angesprochen, kann das Erheben von Daten relativ schnell sehr aufwändig werden. Außerdem müssen die meisten Indikatoren im Laufe des Projektes kontinuierlich (d.h. mehr als einmal) gemessen werden. Deshalb sollte die Anzahl der zu erhebenden Indikatoren auf das notwendige Minimum reduziert werden. Zudem sollte die Erhebung der Daten für alle Beteiligten (Datensammler aber auch Befragte) zumutbar sein, d.h. der Aufwand sollte so gering wie möglich sein.

Beispiel:
Wenn die Erhebung eines Indikators (z.B. die Zufriedenheit zu einem Training) über das Ausfüllen eines kurzen standardisierten Fragebogens geschieht, kann dies sowohl den Befragten, wie auch den Datensammlern „zugemutet“ werden.

Entscheidest du dich nun aber für ausführliche Einzelinterviews, solltest du genau wissen, welchen Mehrwert dieser gesteigerte Aufwand bringt.

 

5) PLAUSIBILITÄT

Beim Kriterium der „Plausibilität“ wird der Frage nachgegangen, ob der Indikator auch die „richtige“ Veränderung abbildet. Ein guter Indikator misst nämlich nur diejenigen Veränderungen, die auch wirklich dem Projekt zugeschrieben werden können.

Beispiel:
Ein Indikator, der nur die Ertragssteigerung der Bauern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum misst, scheint wenig plausibel zu sein, da andere einflussreiche Faktoren nicht berücksichtigt werden. So könnte beispielsweise eine langanhaltende Dürre dazu führen, dass die Ernte sogar geringer ausfällt als im Vorjahr.

Ein plausibler Indikator könnte den Ertrag der trainierten Bauern mit dem Ertrag untrainierter Bauern aus der Region vergleichen. So werden Ertragsrückgänge durch Umwelteinflüsse aus der Messung ausgeschlossen.

 

6) QUALITÄTSORIENTIERUNG

Indikatoren sind kein Selbstzweck. Ihre Messung sollte immer der Verbesserung der durchgeführten Maßnahmen dienen.

Beispiel:
Wenn wir beispielsweise die Zufriedenheit von Trainingsteilnehmern messen, dann sollten die Indikatoren so gewählt werden, dass die Ergebnisse auch zur Verbesserung der nächsten Workshops genutzt werden können. So sollte nicht nur nach der Zufriedenheit generell gefragt werden, sondern auch danach, was den Teilnehmern gefallen oder gefehlt hat!

 

Indikatoren, die diese sechs Qualitätsmerkmale aufweisen, werden dir dabei helfen deine Projekte systematisch und konsequent zu steuern und auch die Zielerreichung schlüssig und nachvollziehbar darzulegen.

Zwar muss man bei der Formulierung solcher aussagekräftiger Indikatoren einiges an Arbeit investieren, die positiven Effekte rechtfertigen dies aber auf jeden Fall. Außerdem ist es wie bei vielen anderen Aufgaben: Je öfter du dies machst, desto einfacher wird es dir fallen!

In diesem Sinne wünsche ich dir erfolgreiche Projekte!

Bildquelle (Titelbild): Morguefile.com – dhester (http://500px.com/darrenhester)


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